Demenz – ein Thema für Kinder und Jugendliche - Gelsenkirchen

In der Arbeit zum Themenbereich Demenz findet die Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen bislang nur unzureichende Berücksichtigung. Es gibt wenige Erkenntnisse darüber, welche Auswirkungen es auf Kinder und Jugendliche hat, wenn Verwandte an dieser Krankheit leiden. Durch Untersuchungen von Dr. Susanne Zank von der Freien Universität Berlin wurde jedoch belegt, dass es bei Jugendlichen zu negativen Auswirkungen auf das soziale Leben und einer Verschlechterung der Beziehung zu den Großeltern kommen kann, aber auch zu einer verbesserten innerfamiliären Beziehung und größerem Verständnis für alte Menschen. Auf der einen Seite steht Scham über das merkwürdige Verhalten der von Demenz Betroffenen, andererseits haben Enkelkinder oft einen leichteren, weniger komplizierten Zugang zu den erkrankten Großeltern.

Die demografische Entwicklung ist ein weiterer Grund, der jungen Generation das Thema näher zu bringen. Mit ihr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder und Jugendlichen von heute einen Menschen mit Demenz in ihrer Familie oder ihrem Umfeld haben werden, der ihrer Unterstützung bedarf. Erste Ansätze mit einem 8. Jahrgang einer Gesamtschule in Gelsenkirchen zeigen, dass von Seiten der Jugendlichen großes Interesse besteht, Informationen zum Krankheitsbild zu erhalten und sich freiwillig in der Praxis für das Thema Demenz zu engagieren.

Mit dem hier beantragten Projekt wollen wir eine größere Anzahl von Kindern und Jugendlichen in Gelsenkirchen für das Thema Demenz sensibilisieren. Wir wollen LehrerInnen und PädagogInnen der Jugendhilfe über Information, Schulung, Beratung und Kooperation Möglichkeiten aufzeigen, Kindern und Jugendlichen, auch denen mit Migrationshintergrund, Zugänge zum Thema Demenz zu schaffen. Im Rahmen von Schule, Jugendhilfe und Altenhilfe sollen Kinder und Jugendliche sich mit der Situation von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen beschäftigen, dafür Verständnis entwickeln und durch praktische Ansätze, Maßnahmen und Veranstaltungen Kontakt zu ihnen bekommen.

Mit dem Projekt soll eine Sensibilisierung von Schule und Jugendhilfe für das Thema Demenz erfolgen, ebenso wie eine Enttabuisierung des Themas in diesen Bereichen. Dazu wird eine regelmäßige Kooperation zwischen Altenhilfe und Professionellen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen angestrebt. Selbst direkt in der Familie mit der Krankheit konfrontierte Kinder und Jugendliche (auch die mit Migrationshintergrund) sollen in ihrer Rolle als Angehörige unterstützt und begleitet werden. Es sollen Kinder und Jugendliche jedoch auch befähigt werden, sich in diesem Themenfeld in Bereichen der ambulanten, wie auch stationären Altenhilfe freiwillig zu engagieren.

Welche Effekte werden in Hinblick auf die Nachhaltigkeit vor Ort erwartet?

  • Die erarbeiteten Konzepte und Materialien können über den Förderzeitraum hinaus interessierten Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe und interessierten PädagogInnen durch die Horizont Fachstelle Demenz zur Verfügung gestellt und erläutert werden.
  • Durch familiäre Krankheitsfälle betroffene Kinder und Jugendliche erhalten auf Nachfrage Beratung und Begleitung durch die Mitarbeiterinnen der Horizont Fachstelle Demenz und des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie des CV.
  • Kinder und Jugendliche, die Interesse an freiwilligem/ehrenamtlichem Engagement haben, bekommen durch die Horizont Fachstelle Demenz, durch die Fachstelle für freiwilliges, ehrenamtliches Engagement und die weiteren am Projekt beteiligten Einrichtungen und Dienste des CV Vermittlung und Begleitung.

Zeit und Arbeitsplan (die wichtigsten Arbeitsschritte und Meilensteine)

  • Konzepterstellung für Informationsveranstaltungen, Beratung und Einführungen für die Zielgruppe der mit Jugendlichen arbeitenden PädagogInnen
  • In Kooperation mit dem FB Kinder, Jugend und Familie des CV: Erarbeitung und Zusammenstellung von Methoden, Unterrichtsmaterialien, Praxisbeispielen für Kinder und Jugendliche (evtl. Koffer o.ä. vgl. Projekt Vergissmeinnicht der Alzheimer Gesellschaft Schleswig Holstein)
  • In Kooperation mit dem Demenz-Servicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte der AWO Gelsenkirchen: Spezielle Berücksichtigung der Situation von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
  • Kontaktaufnahme zu Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen
  • Informations-/ Schulungsveranstaltungen / Beratung für PädagogInnen
  • In Kooperation mit PädagogInnen: Planung und Durchführung von Unterrichtseinheiten zum Thema
  • In Kooperation mit PädagogInnen und MitarbeiterInnen der Altenhilfe: Konzepterstellung, Planung, Organisation von Veranstaltungen bzw. Zusammenkünften von Menschen mit Demenz und Kindern und Jugendlichen
  • Durchführung von Veranstaltungen bzw. Zusammenkünften von Menschen mit Demenz und Kindern und Jugendlichen

Stand der Arbeiten, erreichte Ziele

Es wurde/n:

  • Ein Projektflyer erstellt und verteilt.
  • Unterrichtsmaterialien zusammengestellt.
  • Jugendverbände, Schulen und Einrichtungen der Altenhilfe/-pflege geworben und Vorgespräche mit ihnen geführt.
  • Mit VertreterInnen der Schulen, eines Jugendverbandes, der Geratrie eines Krankenhauses und der Altenzentren Absprachen zur Kooperation und zum praktischen Ablauf des Projektes getroffen, Zeitpläne erstellt, sowie Unterrichtseinheiten geplant.
  • Mit Pressegesprächen, Weitergabe von Pressemitteilungen, der Erstellung eines Dokumentarfilms und der Zusammenarbeit mit dem WDR (Lokalzeit Ruhr / Sendung am 2.3. 19.00 WDR) Öffentlichkeitsarbeit betrieben.
  • 2 Einführungsveranstaltungen, 1 Informationsveranstaltung und 5 Schulungen veranstaltet.6 Einführungs- / Informationsveranstaltungen und verschiedene Einzelschulungen konzipiert , geplant und durchgeführt.

Erste Zusammenkünfte zwischen Jugendlichen und alten Menschen mit Demenz organisiert und unter Begleitung durchgeführt:
Seit November treffen sich wöchentlich zwei Gruppen von Jugendlichen der Gesamtschule Berger Feld mit alten, an Demenz erkrankten Menschen im Altenzentrum Bruder Jordan Haus im Stadtteil Gelsenkirchen Buer und in der gerontopsychiatrischen Abteilung des Elisabeth-Krankenhauses in Gelsenkirchen Erle. Die Begegnungen zwischen Alt und Jung gestalten sich auf unterschiedliche Weise. Es wird z. B. gemeinsam gebastelt, gespielt, erzählt oder es werden gemeinsame Ausflüge in die Umgebung, wie z.B. auf den Weihnachtsmarkt, unternommen.

Bei einem Adventskaffeetrinken im Anschluss an einen Gottesdienst mit Menschen mit Demenz und deren Angehöriger in einer Kirchengemeinde in Gelsenkirchen Horst dekorierten Jugendliche den Raum, halfen mit bei der Bewirtung und sorgten für musikalische Beiträge.

In der Franz Bielefeld Schule wurden Gespräche mit den Eltern geführt um deren Einverständnis zu erlangen, dass sich ihre Kinder mit dem Thema auseinandersetzen dürfen.

Die acht- bis zehjährigen Kinder der OGS an der Franz-Bielefeldschule in Gelsenkirchen Schalke erfuhren im Folgenden bei drei Veranstaltungen über Erzählungen und Rollenspiele einiges über das Leben von und mit alten Menschen mit Demenz. Einige wussten auch selbst schon etwas zu erzählen.

Aktualisierung
Mit dem Projekt „Demenz- ein Thema für Kinder und Jugendliche" wurden von Juni 2009 bis Mai 2010 Schülerinnen und Schüler zwischen 7 und 17 Jahren auf ein Engagement für Menschen die an Demenz erkrankt sind und in verschiedenen Einrichtungen der stationären Altenhilfe leben, vorbereitet. Ziel war es, dass sich die Schüler selbst für betroffene ältere Menschen praktisch einsetzen.
Ein Team aus Gerontologen, Pädagogen, Pflegefachkräften und gerontopsychatrisch geschultem Personal, koordiniert durch die Caritas Fachstelle Demenz informierte, beriet und begleitete. Sie sorgte dafür, dass die Kinder und Jugendlichen sich altersgemäß zunächst theoretisch mit dem Thema Demenz auseinandersetzen „Was passiert eigentlich, wenn jemand an Demenz erkrankt?". Dann ging es in die Praxis, z.B. in ein Altenheim, und darum Antworten und Einsatzfelder auf die Frage zu finden „ Was kann ich tun, um zu helfen?"
Als Teilnehmer an Spielnachmittagen und Kegelrunden, an Gedächtnistrainings oder Singkreisen erlebten die Schüler dann hautnah diese für sie meist neue und fremde Lebenswelt. Mit jedem Besuch wurden Barrieren auf beiden Seiten abgebaut, ein generationenübergreifendes Miteinander lebendig gemacht.
Die Ziele des Projektes waren vielfältig und bezogen sich insbesondere auf den Bereich der Übernahme von bürgerschaftlichem Engagement in einem frühen Lebensalter, d.h. bereits im Grundschulalter. Hinzu kommen die Aspekte

  • Schule und Jugendhilfe für das Thema Demenz zu sensibilisieren,
  • das Thema im Bereich der Schule und Jugendhilfe zu enttabuisieren,
  • die Kooperation von „Altenhilfe" und „Schule" zu fördern,
  • Kinder und Jugendliche in ihrer Rolle als Angehörige zu begleiten und zu unterstützen.

Das Projekt erwies sich als beispielgebend, um die Enttabuisierung des Themas Demenz weiter voranzutreiben und auch Kinder und Jugendliche auf die Folgen des demografischen Wandels vorzubereiten. Generationen,- und altersübergreifend wurden Verständnis und Aufmerksamkeit für die Komplexität der Krankheit Demenz in Gelsenkirchen gefördert.
Bei der Abschlussveranstaltung zum Projektende im Mai 2010 wurden 40 Kinder und Jugendlichen mit einer feierlichen Zertifikatsübergabe durch den Gelsenkirchener Bürgermeister für ihr vorbildhaftes Engagement geehrt. Die Veranstaltung traf mit 130 Gästen, u.a. auch aus Kommunal- und Landespolitik, auf große Resonanz.

  • Rund 100 Kinder und Jugendlichen wurden altersgerecht und motivierend von MitarbeiterInnen aus der Altenhilfe und der Jugendhilfe an das Thema Demenz herangeführt.
  • An dem Projekt waren in dem Zeitraum von 2009 bis 2010 Schülerinnen und Schüler aus drei Gelsenkirchener Schulen und einem Jugendverband beteiligt: ein Gymnasium, eine Gesamtschule, eine Grundschule und der Landesverband der Falken. Der Anteil von SchülerInnen mit Migrationshintergrund war sehr hoch, einige beteiligte Stadtteile zählen zu den Gebieten Gelsenkirchens mit erhöhtem Struktur- und Erneuerungsbedarf.
  • Es haben sich rund 40 Schülerinnen und Schüler im laufenden Schuljahr 2009/2010 regelmäßig jede Woche bis zu 2 Stunden ehrenamtlich engagiert
  • Schulen und Lehrpersonal wurden angesprochen und umfassend geschult. Zudem wurden unterschiedliche Treffen und Veranstaltungen konzipiert, um dementiell erkrankte Menschen mit Kindern und Jugendlichen -auch mit Migrationshintergrund- zusammen zu bringen.
  • In Kooperation mit Studierenden des Fachbereichs Design der Fachhochschule Dortmund wurde der 15-minütiger Dokumentarfilm zum Projekt mit dem Titel „Märchen merkt man sich" erarbeitet. Er wendet sich an Interessierte jeden Alters aus den Bereichen Schule und Jugendhilfe einerseits, und Aktive aus der Altenhilfe andererseits.

Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation

  • Projektflyer und der Abschlussbericht sind erstellt.
  • Öffentlichkeitsarbeit in Form von Pressemitteilungen und in Gremien
  • DVD "Märchen merkt man sich" auf Anfrage

Kontakt & weiterführende Informationen

Name: Marita Ingenfeld
Funktion: Leiterin der Horizont-Fachstelle Demenz
Institution: Caritasverband für die Stadt Gelsenkirchen e.V.
Adresse: Hochstr. 47, 45894 Gelsenkirchen
Telefon: 0209 / 165877-32
Telefax: 0209 / 165877-55
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.caritas-gelsenkirchen.de

 

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