Technologie und Demenz

Technik ist in Beruf und Alltag, im öffentlichen Raum und privaten Lebensbereichen zu einer kaum mehr hinterfragten Selbstverständlichkeit geworden. In der Versorgung Pflegebedürftiger - insbesondere, wenn es um die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz geht - ist ihr Einsatz jedoch noch weitgehend unüblich, unerprobt, teilweise auch umstritten.
Wie kann der Einsatz von Technik die Lebensqualität von Menschen mit Demenz verbessern? Wie kann Technik dazu beitragen, die Lebenssituation in Institutionen oder im häuslichen Umfeld einfacher zu gestalten, einfacher für die Kranken und für die Betreuer, die Pflegenden? Diese Fragen gilt es zu klären, um die vielfältigen technischen Möglichkeiten, die der Markt mittlerweile bereithält, effizient und dennoch menschlich für Menschen mit Demenz, Angehörige und Pflegende einzusetzen. Dabei muss bedacht werden, dass Technik nicht statt, sondern für Humanität eingesetzt werden sollte.

Technik ist in keinem Fall ein Ersatz für menschliche Zuwendung. Nichtsdestotrotz werden in Deutschland die Potentiale von Technik zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Pflegepersonen zu wenig genutzt.
Deswegen ist Forschung und Qualitätssicherung zu diesem Aspekt nötig - in der Industrie ist das Demenz-Bild von allgemein verbreiteten Vorstellungen geprägt. Dementsprechend ist auch die Technik ausgerichtet, z.B. „Weglaufkontrollen".
Im Bereich der Produkte für Senioren allgemein hat sich jedoch schon einiges getan, z.B. extra große Tasten oder Beschriftungen, bedienerfreundlichere Anwendungsmöglichkeiten. Es gilt zu bedenken, dass alles was Menschen mit Demenz nützt, auch für alle anderen von Vorteil ist.

Ziel wäre es, durch gemeinsame Anstrengungen von Wissenschaft und Politik, Verbänden und Selbsthilfe, Pflegenden und Industrie zu einem nutzvollen, ethisch-vertretbaren Einsatz von Technik für eine qualitativ hochwertige Versorgung von Menschen mit Demenz beizutragen.

Um ganz konkret in Richtung Technik-Einsatz Pilot-Arbeit zu leisten, hat man sich entschlossen, vorrangig ein „Partizipatives Technik Assessment"-Projekt zu betreiben. Im Rahmen des Projektes „Intelligentes Heim" des BMFSJF sind 11 Einrichtungen unterstützt worden, sich mit neuster Technik auszurüsten. Zwei Einrichtungen davon werden sich an dem nun in Angriff genommenen Projekt beteiligen, d.h. die vorhandene Technik (oder Teilaspekte davon) soll im Rahmen des Projektes evaluiert werden.

Ein wichtiger Aspekt liegt bei „partizipativ", alle Beteiligten werden eingebunden. Ausgesuchte Technik (z.B. Zugangskontrolle, elektron. Schlüssel- Sicherheitsaspekte; Unterstützung für die Dokumentation des Pflegepersonals, techn. Anregungsmöglichkeiten für die Bewohner) wird so in Exemplarhäusern zum Einsatz kommen und unter Berücksichtigung des jeweiligen Umfelds miteinander verglichen. Dieser Prozess wird wissenschaftlich begleitet, es wird untersucht ob der Einsatz solcher Mittel sinnvoll ist und die Haltung der Bewohner dazu erörtert. Parallel sollte die Entwicklung von Qualitätskriterien vorangetrieben werden.

Ziele:

  • Verbesserung der Wahrnehmung (allgemein und im speziellen, Möglichkeiten des Einsatzes von unterstützender Technologie)
  • Partizipatives Technology Assessment
  • Forderung von Beratungsstrukturen
  • Qualitätssicherung

(basierend auf Erträgen der Werkstattgruppe"Technologiegestütztes Wohnen" und deren Auswertung durch die Technikprojektgruppe/ H.von Lützau-Hohlbein)

Weiterführende Informationen:

Technische Unterstützung bei Demenz. Gemeinsam für ein besseres Leben mit Demenz, Bd.5 - Hans Huber Verlag - ISBN: 3456843968

 

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