Eine Kommune auf dem Weg: Augsburg

Name der Initiative/Aktion:
1. Augsburger-Alzheimer-Kampagne 2006 „Mit Alzheimer leben"
2. KompetenzNetz Demenz - Integration der Bevölkerungsgruppe demenzkranker Menschen und ihrer Angehörigen in Augsburg
Bundesland:
Bayern
Einwohnerzahl der „Kommune":
263.000

Kontakt:
KompetenzNetz Demenz
SIC Augsburg
Rosenaustr. 38
86150 Augsburg
0821/22799-29
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www.mit-alzheimer-leben.de

Ansprechpartnerin ab 07.01.2013: Gabriele Bayer

Aufgrund der positiven Erfahrungen wurde das KompetenzNetz Demenz mit seinen Demenzpaten nach Ablauf der Modelprojektphase, ab dem 1. April 2012 als Regeleinrichtung etabliert.

Beschreibung

1. Augsburger-Alzheimer-Kampagne 2006 „Mit Alzheimer leben"

Hintergrund:
Immer mehr Menschen haben in ihrem beruflichen oder privaten Umfeld Kontakt zu demenzerkrankten Menschen. Die meisten fühlen sich in der Begegnung mit diesen Menschen überfordert, wissen nicht, wie sie mit ihnen umgehen bzw. deren Verhalten einordnen sollen. Viele ziehen sich deshalb zurück, lehnen die Auseinandersetzung ab und sind der Auffassung, dass die Betroffenen am besten in spezielle Einrichtungen „verbracht" werden sollten.

Ziel:
Auch außerhalb des Kreises betroffener Angehöriger und Patienten ist es von Bedeutung, dass die Bürger größere Kenntnis haben und mehr Verständnis für die Betroffenen entwickeln. Dies sollte durch die Kampagne angestoßen werden.

Zielgruppe:
Mit der Kampagne wurden in erster Linie spezielle Berufs- und Personengruppen, die in ihrem alltäglichen und / oder beruflichen Kontext Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen begegnen, angesprochen.
Zudem richtete sich die Kampagne v. a. mit ihrem Rahmenprogramm an die breite Öffentlichkeit, Angehörige und Interessierte.

Zeitlicher Rahmen:
Februar - Juli 2006

Veranstalter:
Ambulante Sozialarbeit Gerontopsychiatrie Pfersee, AWO Augsburg, Ambulante Sozialarbeit Gerontopsychiatrie Lechhausen, Sozialstation Augsburg-Lechhausen e. V., Alzheimer Aktiv, Malteser Hilfsdienst e. V.
In enger Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der Sozialen Fachberatungen für Senioren.
Viele weitere Institutionen (z. B. Memory-Klinik, Berufsfachschulen für Altenpflege, etc.) beteiligten sich mit einem Beitrag am Rahmenprogramm.

Auftraggeber:
Stadt Augsburg, Sozialreferat

Programm:
1. Zielgruppenspezifische Veranstaltungen
Abgestimmt auf die jeweilige Berufs- bzw. Interessengruppe wurden gezielt Schulungen, Gespräche oder Aktionen durchgeführt.
Folgende Zielgruppen wurden ausgewählt und eingebunden:

  • Polizeibeamte der Polizeidienststellen im Stadtgebiet
  • Kundenbetreuer und Schalterangestellte von Banken und Sparkassen
  • Schulklassen
  • Apotheker und Angestellte
  • Evangelische Pfarrer und Pfarrerinnen
  • Katholische Pfarrer
  • Pfarrsekretärinnen
  • Vertreter von Wohnungsbauunternehmen und -genossenschaften
  • Seniorenclubleiter

2. Rahmenprogramm
Das Rahmenprogramm beinhaltete Veranstaltungen aus den Bereichen Information, Kunst, Kultur und Unterhaltung.

Erfahrungen / Ergebnisse:

  • Es herrschte eine unerwartet große Offenheit bei den angesprochenen Zielgruppen.
  • Viele TeilnehmerInnen berichteten von persönlicher Betroffenheit.
  • Es wurde deutlich: Demenz wird als ein „privates" Problem gesehen, gesellschaftliche Verantwortung ist noch nicht im Bewusstsein.
  • Es gelang durch strukturiertes, sachliches Informieren Verständnis und Unterstützungsbereitschaft zu wecken.
  • Teilnehmer bestätigten, dass sich ihre Unsicherheiten gegenüber Betroffenen und Ängste vor der Erkrankung durch die Gespräche und Veranstaltungen reduziert haben.
  • Gefühl der Hilflosigkeit konnte durch das Wissen über kompetente Ansprechpartner vor Ort und die Darstellung des vorhandenen Hilfenetzes reduziert werden, ein wichtiger Aspekt hierbei war v. a. das persönliche Kennenlernen.
  • Im Verlauf der Kampagne wurde ein Anstieg an Anfragen und Meldungen bei den Fachstellen wahrgenommen. Zudem hat sich das Spektrum der Melder erweitert. (eine genaue zahlenmäßige Erfassung wurde nicht durchgeführt)
  • Das breite Spektrum der Zielgruppen stellte für die Veranstalter eine Herausforderung dar (jede Zielgruppe hat eigene Strukturen, Kommunikationswege, Herangehens- und Sichtweisen, etc.).
  • Durch die Vielfalt an Programmpunkten im Rahmenprogramm aus den Bereichen Information, Kultur und Kunst ist es gelungen ein breiteres Spektrum der Bevölkerung anzusprechen.
  • Durch die Beteiligung vieler verschiedener Träger und Institutionen am Rahmenprogramm erfuhr die Kampagne eine breite Akzeptanz und hohe Identifikation, die maßgeblich zum Gelingen der Kampagne beitrugen.

Zentrales Ergebnis: Durch die Kampagne konnten aus vielen verschiedenen Bereichen Ansprechpartner gewonnen und Kontakte aufgebaut werden, die auch über die Kampagne hinaus bestehen und an die mit dem Modellprojekt KompetenzNetz Demenz (s. u.) angeknüpft wurden.
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Abschlussbericht, der unter www.mit-alzheimer-leben.de zum Download zur Verfügung steht.


2. Modellprojekt KompetenzNetz Demenz

Finanzierung:
Modellprojekt im Rahmen des Pflegeleistungsergänzungsgesetzes (§45c SGBXI)

Förderer:

  • Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen
  • Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände in Bayern
  • Stadt Augsburg

Projektlaufzeit: April 2007 - März 2010

Trägerschaft:
Social invest consult - Gesellschaft für Forschung, Beratung, Organisationsentwicklung und Sozialmanagement GmbH
Gemeinnützige Gesellschaft, Tochtergesellschaft der Arbeiterwohlfahrt Augsburg

Fachlich-wissenschaftliche Begleitung: aufschwungalt, München

Zentrales Ziel:
Das zentrale Ziel des Projektes ist es, die vorhandenen Ressourcen sowohl der Dienstleistungsstruktur als auch des bürgerschaftlichen Engagements in Augsburg so zusammenzuführen und miteinander zu vernetzen, dass ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Kultur im Umgang mit einer der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen, der dementiellen Erkrankung, entsteht.
Den betroffenen Personen soll damit der Verbleib in der eigenen Wohnung so lange wie möglich gesichert werden.

Schwerpunkte des Modellprojektes:

1. „Demenzpaten für Augsburg"
2. Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft

Zu 1. Demenzpaten für Augsburg
Demenzpaten sind bürgerschaftlich engagierte Menschen, die sich für das Thema Demenz einsetzen und das Bewusstsein dafür in der Bevölkerung verändern wollen. Sie betreiben dazu im weitesten Sinne Öffentlichkeitsarbeit.

Adressaten der Demenzpaten:

  • Bürger und Akteure in den Stadtteilen (Bürgern, Apothekern, Pfarrern, Vereinen, Geschäftsleuten und weiteren Akteure)
  • Nicht direkt die Betroffenen und ihre Angehörigen
    In Augsburg besteht bereits ein gut ausgebautes Hilfenetz für demenzerkrankte Menschen und ihre Angehörigen (Fachberatungsstellen für Senioren in jedem Stadtteil, spezielle gerontopsychiatrische Fach- / Beratungsstellen, Memory-Klinik, Angehörigengruppen, niedrigschwellige Betreuungsangebote,...), allerdings sind diese häufig zu wenig bekannt bzw. werden sie nicht so angenommen, wie es eigentlich zu erwarten wäre. Hier setzen die Demenzpaten an, indem sie möglichst viele Multiplikatoren darüber informieren

Was machen die Demenzpaten?

  • Sie werben in den Stadtteilen für mehr Verständnis im Umgang mit demenzerkrankten Menschen.
  • Sie suchen dazu aktiv den Kontakt zu Bürgern, Apothekern, Pfarrern, Vereinen, Geschäftsleuten und weiteren Akteure im Viertel.
  • Sie informieren diese in Gesprächen vor Ort oder bei Veranstaltungen und Vorträgen über die Erkrankung und ihre Hintergründe.
  • Sie geben Hinweise für den direkten Kontakt mit Betroffenen um allen Beteiligten die Situation zu erleichtern.
  • Sie arbeiten stadtteilbezogen, kennen sich vor Ort aus und stehen den Bürgern und Akteuren im Viertel für einen direkten Kontakt zur Verfügung.
  • Sie informieren über ortsnahe Beratungsstellen und Hilfsangebote und machen diese bekannt.
  • Sie beraten und betreuen nicht einzelne Erkrankte und ihre Angehörigen sondern vermitteln Einzelfälle direkt an Fachstellen weiter, wenn gewünscht stellen Sie den Kontakt her

Überblick über bisherige Tätigkeiten und Aktionen der Demenzpaten:

  • Aktives Zugehen auf Akteure in den Stadtteilen
  • Organisation und Durchführung öffentlicher Veranstaltungen: Veranstaltung zum Welt-Alzheimertag, Infoveranstaltung in einem Stadtteil, Infotische in der Fußgängerzone,...
  • Zielgruppenveranstaltungen: bei Bereitschaftspolizei, Apothekern, städtischen Mitarbeitern, Stadtsparkasse, Seniorenclubs,...
  • Teilnahme und Präsenz an Veranstaltungen anderer Veranstalter: Veranstaltungen des Bündnisses für Augsburg, Feier „20 Jahre Seniorenbeirat Augsburg", Tage der offenen Tür, Veranstaltungen der Mehrgenerationenhäuser,...

Schulung und Begleitung der aktiven Freiwilligen:
Die Schulung und Begleitung der aktiven Demenzpaten übernimmt das KompetenzNetz Demenz.

Bündnis für Augsburg
Die Demenzpaten sind ein Teil des Bündnisses für Augsburg, eine Verantwortungsgemeinschaft der Bürgerstadt. Es bildet sich aus Bürgerschaft, Politik/Verwaltung und Wirtschaft und hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität in Augsburg zu steigern.

Zu 2. Wohnungswirtschaft
Auf Basis einer Problemanalyse werden gemeinsam mit den Objektinhabern (Wohnungsunternehmen) Lösungsansätze für die Berücksichtigung der besonderen Bedarfe derjenigen Mieter entwickelt, die an Demenz erkrankt sind bzw. in Zukunft eventuell daran erkranken werden, um so ein für alle Parteien befriedigendes generationenübergreifendes Wohnen zu ermöglichen.
Aktuell beschäftigt sich das Modellprojekt damit die Situation demenzerkrankter Mieter in Wohnanlagen genauer zu erfassen. Dies erfolgt auf der Basis einer Situationsbeschreibung anhand konkreter Beispielfälle.

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