Eine Kommune auf dem Weg: Berlin Lichtenberg

Name der Initiative/Aktion: „Demenzfreundliche Kommune am Fennpfuhl" in Berlin-Lichtenberg
Bundesland: Berlin
Einwohnerzahl der „Kommune": im Bezirk Lichtenberg leben 251.000 Menschen, davon 30.883 Einwohner im Stadtteil Fennpfuhl, 24% der Einwohner sind über 65 Jahre.
Die Gesamtzahl der Ausländer 65 Jahre und älter in Lichtenberg beträgt 552 Personen.



Kontakt:
Koordinierungsstelle Rund ums Alter
Veronika Vahrenhorst, Weißenseer Weg 6 in 10367 Berlin
Träger: Volkssolidarität LV Berlin e.V. Tel. 030-97 60 93 59
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Kurze Beschreibung der Initiative/ Aktion:
Wie können wir unseren Stadtteil am Fennpfuhl in einen Ort verwandeln, in dem ein besseres Leben mit Demenz möglich ist?

Mit der Initiative Demenzfreundliche Kommune am Fennpfuhl wollen wir

  • Die Stimme von Menschen mit Demenz hörbar machen und ihre Lebenswelten erschließen,
  • Menschen mit Demenz und deren Angehörige ins Rampenlicht rücken,
  • Statt Isolation und Rückzug, Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe erschließen,
  • Eine Kultur der Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Demenz fördern,
  • Öffentlichkeit, Medien, Kulturschaffende und besonders Politiker sensibilisieren und zum Handeln bewegen.

Zur Auftaktveranstaltung im Juni 2008 wurden Gewerbetreibende, Kirchengemeinden, Kulturschaffende, Bildungseinrichtungen, Kommunalpolitiker, Freizeiteinrichtungen, Vereine, Wohnungsunternehmen, etc. und alle anderen, die sich für eine demenzfreundliche Kommune engagieren wollen, eingeladen.
In dieser ersten Veranstaltung berichten z.B. Wohnungsunternehmen über ihre Erfahrungen, z.B. informieren Mieter über auffällige Verhaltensweisen von Nachbarn. Zu beobachten sei außerdem, dass es Angehörige gibt, die sich nicht kümmern.
Die Bewohner einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz nehmen regelmäßig an Veranstaltungen am Fennpfuhl teil und machen unterschiedliche Erfahrungen. Die Alzheimer Angehörigen Initiative berichtet über eine Schiffsrundfahrt, die andere Gäste zum Mittanzen und Singen motiviert hat. In der Koordinierungsstelle steigt die Zahl der Beratungen von Angehörigen von Menschen mit Demenz.
Angehörige von Menschen mit Demenz möchten oftmals die Feststellung einer differenzierten Diagnose durch einen Facharzt hinausschieben. Ist die Demenz diagnostiziert, haben sie Probleme die Diagnose zu akzeptieren und sind mit der sehr schwierigen Versorgungssituation überfordert. Zu beobachten ist Rückzug, Isolierung, Ängste. Oftmals ziehen sich Angehörige, Freunde, Bekannte, Nachbarn zurück. Möglicher Grund: Unwissenheit über das Krankheitsbild Demenz.

In einem weiteren Treffen wurde vereinbart, dass wir die Aktionen, die in diesem Jahr am Fennpfuhl stattfinden, nutzen wollen um das Thema Demenz in die Öffentlichkeit zu tragen, z.B. das Sommerfest am Anton-Saefkow-Platz, die Woche der seelischen Gesundheit im Oktober 2008 und die Gesundheitskonferenz 2008.

Wer ist an der Initiative/ Aktion beteiligt?
Alzheimer Angehörigen Initiative e.V.; Bezirksamt Lichtenberg von Berlin Abt. Gesundheit, Plan- und Koordinierungsstelle; Bezirksamt Lichtenberg Abt. Soziales; Haltestelle Diakonie; HOWOGE (Wohnungsunternehmen); Koordinierungsstelle Rund ums Alter; HU-MA GmbH (Pflegedienst); SANA-Klinikum Lichtenberg; Sozialdienste der Volkssolidarität gGmbH; Seniorenwohnpark Lichtenberg; Sozio-Kulturelles Zentrum Fennpfuhl; Volkshochschule Lichtenberg; Volkssolidarität LV Berlin e.V.; Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH;
Kooperationspartner: Geriatrisch-Geronopsychiatrischer Verbund Lichtenberg, Deutsche Alzheimer Gesellschaft
Interessensbekundungen:
Stadtbibliothek am Fennpfuhl, Volksbank, Buchhandlung, Bäckerei Plötner mit Cafe, Reisebüro Irva, Buchhandlung Petersohn, Physiotherapiepraxis, Fotoladen Bosse, Fleischerei Platten, Schlüsseldienst Johannsen, Friseurladen, Ev. Kirchengemeinde Fennpfuhl, Extra (Supermarkt), Verband für interkulturelle Arbeit e.V.

Seit wann beschäftigt sich die Kommune mit dem Thema Demenz? Bzw. seit wann findet eine über den Kreis der Experten hinausreichende Beschäftigung mit Demenz statt?
Die Kommune am Fennpfuhl ist schon seit einigen Jahren aktiv in einem Netzwerk - Forum Fennpfuhl. Die Akteure treffen sich regelmäßig zu Themen, die den Stadtteil betreffen. Das Thema Demenz stand bisher noch nicht im Mittelpunkt. Bei bestimmten Anlässen, wie z.B. Tag der offenen Tür oder neuen Angebote im Stadtteil (wie z.B. Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz) stellen sich diese regelmäßig im Forum vor. Die Auftaktveranstaltung zur Demenzfreundlichen Kommune am Fennpfuhl fand im Juni 2008 in der Volkshochschule statt!
Im November 2008 findet in einem Off-Kino in einem benachbarten Bezirk eine Filmvorführung von „Mein Vater" mit anschließender Podiumsdiskussion statt.

Wer ist daran in welchen Rollen beteiligt?
Die Koordinierungsstelle Rund ums Alter ist federführend für das Projekt. Einzelne Initiativen werden aus der Projektgruppe entwickelt und umgesetzt. Diejenigen, die Interesse an dem Thema, aber aus unterschiedlichen Gründen (Personal- und Zeitmangel) nicht aktiv mitarbeiten können, werden regelmäßig per e-mail über den aktuellen Stand informiert. Mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft wird zurzeit ein Kooperationsvertrag vorbereitet.

Warum (bzw. in welcher Hinsicht) ist Demenz überhaupt ein Thema der Kommune?
Der Fennpfuhl ist eine in den 70iger Jahren erbaute Großsiedlung im Plattenbau. Viele Einwohner am Fennpfuhl sind die Erstbeziehergeneration. 24% der Einwohner sind 65 Jahre und älter. Nach bundesweiten Studien leiden 8-13 % aller Menschen über 65 Jahre an Demenz, Tendenz steigend.

Wie finanziert sich die Aktion /Initiative?
Zurzeit ohne finanzielle Mittel.

Über welchen Zeitraum läuft/ lief die Initiative/ Aktion?
Seit 2008 und bisher ohne zeitliche Begrenzung.

Welche Aktivitäten/Inhalte beinhaltet/ beinhaltete die Initiative/ Aktion?
Lesezeichen
Die Projektgruppe hat ein Lesezeichen entworfen.
„Demenzfreundliche Kommune - verstehen, annehmen, miteinander leben" mit der Telefonnummer der Koordinierungsstelle Rund ums Alter, die als Vermittlungsagentur für niedrigschwellige Angebote gemäß § 45 a SGB XI anerkannt ist.
Das Lesezeichen wird von Projektbeteiligten in Ihren eigenen Flyer eingelegt, sowie dem Buchladen, der Stadtbibliothek und den anderen Interessierten zur Verfügung gestellt, um ihren Kunden bei Bedarf konkrete Hilfe und Unterstützung anbieten zu können.

L.I.e.S. - Literatur und Information in einer Stadtbibliothek
Von der Stadtbibliothek am Fennpfuhl wurde eine Liste über vorrätige Bücher zum Thema Demenz und Alzheimer erstellt und ins Internet gestellt. Die Liste wird ständig aktualisiert und erweitert.

Tag der offenen Tür
In allen Berliner Koordinierungsstellen Rund ums Alter wurde im Oktober im Rahmen der Woche der seelischen Gesundheit ein gemeinsamer Tag der offenen Tür zum Thema Demenz veranstaltet.

Gesundheitskonferenz
Das Bezirksamt hat die diesjährige Gesundheitskonferenz unter das Motto „Gesundes Altern in Lichtenberg" gestellt. Wir werden dort die Initiative „Demenzfreundliche Kommune in Lichtenberg" vorstellen.

Wer ist/ war die Zielgruppe?
Angehörige, Nachbarn, Professionelle, alle Projektbeteiligten, Feuerwehr, Polizei, Banken

Welche Erfolge wurden bisher erzielt?
Über die Initiative wird im ganzen Bezirk gesprochen. In den bezirklichen Ausschüssen wird über die Demenzfreundliche Kommune berichtet. Für das nächste Treffen der Projektgruppe haben sich weitere Interessierte angemeldet.
Es entstand eine engere Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.
Bisher gibt es aber noch keine messbaren Erfolge.

Was ist für die Zukunft geplant?

  • Schulung zum Thema Umgang und Kommunikation von Feuerwehr, Polizei, Einzelhändler, Nachbarschaft, Banken in Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft
  • Fotoausstellung
  • Bestehende Veranstaltungen, insbesondere kulturelle Veranstaltungen sollen
  • für Menschen mit Demenz und deren Angehörige geöffnet werden (Gottesdienste, Tanzveranstaltungen...)
  • Zusammenarbeit mit Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Theatergruppen,
  • Kirchengemeinde
  • In den Regionalzeitungen/Kiezblättern soll eine Rubrik eingerichtet werden, in der Bürger, Politiker, sonstige bekannte Persönlichkeiten über das Thema Demenz berichten.
    Thema könnte sein: „Wenn ich einmal dement bin..."

Wie ist die Resonanz der Bürger?
positiv

Gibt es Kooperationen mit anderen Vereinen, Firmen, etc.?
Für das nächste Jahr ist eine Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zum „Projekt Alleinlebende Demenzkranke - Schulung einer Kommune" in konkreter Vorbereitung.

Welche Schwierigkeiten, Stolpersteine gab es?
Die kontinuierliche Kontaktaufnahme zu Einzelhändlern und anderen Interessierten ist sehr personal- und kostenintensiv (Kontaktpflege, Flyer, Infomaterial,..). Wünschenswert wäre die Einrichtung zumindest einer Honorarstelle für die Gewährleistung der Kontinuität in der Kontaktpflege, der Öffentlichkeitsarbeit und der Evaluation der Initiativen.

Wird die Initiative/ Aktion ausgewertet?
In der Projektgruppe werden die einzelnen Initiativen ausgewertet (Besucherzahlen, Resonanz,..).

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